Heilig Abend
Nach einer zweistündigen Fahrt
mit dem Speedtrain kamen wir in Sanya ganz im Süden von Hainan an. Leider
kannte keiner unsere Adresse, sodass wir nicht rausfanden an welcher
Bushaltestelle wir hätten aussteigen müssen (vorausgesetzt der der im
Reiseführer stand wäre der richtige Bus gewesen). Also stellten wir uns in die
ziemlich lange Taxischlange, da natürlich alle die in dem Zug gesessen hatten
ein Taxi wollten. Und meistens nahm dann auch nur eine Person allein ein Taxi.
Unsere Rucksäcke wurden langsam immer schwerer und allgemein war die Laune eher
nicht so gut. Und das Wetter by the way auch nicht. Nachdem wir dann
endlich ein Taxi ergattert hatten, musste der Fahrer erst mal mit unserm Hostel
telefonieren um es überhaupt zu finden. Sowas sind wir ja gewohnt, es kam aber
noch viel besser.
Wir standen quasi genau am
Meer, 18 Uhr am Heiligen Abend und die Frau vom Hostel (extra herbeigerufen
weil kompliziert zu finden) eröffnete uns nun, dass sie unser Zimmer schon
weiter gegeben hat, weil wir so spät dran wären. Na toll und jetzt?... Verzweifelt
versuchten wir ihr zu erklären, dass es Weihnachten sei und wir unbedingt ein
Zimmer brauchen, zumal wir online schon was angezahlt hatten. Half aber nichts.
Nun kam aber ein großer, breiter Chinese im Anzug und mit Sonnenbrille des
Weges und merkte anscheinend, dass da irgendwas nicht stimmt. Kurz erkundigte
er sich bei der Hostelfrau im pinken Jogginganzug, um ihr dann (so hab ich es
zumindest verstanden) eine Ansage über ihr schlechtes Verhalten zu
machen. Anscheinend hatte er Mitleid mit uns und meinte nur wir sollen ihm
folgen. Etwas skeptisch gingen wir ihm 10 Minuten hinterher. Kurzzeitig hatte
ich Angst, dass wir uns nun für ein Zimmer prostituieren müssen, oder in einem
viel zu teuren Hotel landen würden. Schließlich kamen wir aber zu einem kleinen
Hostel, das sogar zu einem annehmlichen Preis noch ein Zimmer frei hatte. Wir
bedankten uns bei unserem "Retter" und machten uns kurz frisch zum
Weihnachtsdinner.
Wo nun aber hin war da die
Frage. In Nähe des Hostels gab es zunächst nur Straßenstände, also nahmen wir
das nächst beste Restaurant was anständig aussah. Dort half uns die Chefin
höchstpersönlich bei der Auswahl des Menüs auf dem iPad, aber das was hinterher
bei rauskam war dann
doch nicht soo der Bringer. Das teure Fleischgericht mit gerösteten Walnüssen
bestand leider nur aus Knorpel und Fett, aber zumindest die Auberginen und der
Reis überzeugten wie immer ;). Als Appetizer hatten wir zudem noch
Gemüsesticks bekommen, die jedoch übertrieben scharf waren. Wenigstens blieb
uns noch das einzige Weihnachtsgeschenk von Chris, gute handgemachte Trüffel
aus Deutschland zum Nachtisch.
Ich weiß, dass hört sich jetzt
alles sehr negativ an, aber im Nachhinein können wir darüber schmunzeln.
Weihnachten in China ist halt so oder so anders. Die wenigen von uns die in
Peking gefeiert haben, mussten z.B. erst mal durch die obligatorische
Sicherheitskontrolle bevor sie in die Kirche durften. Und der Gottesdienst auf
Chinesisch war dann wohl auch etwas merkwürdig. Grundsätzlich lieben die
Chinesen kitschige Weihnachtsdeko und sind ja generell allen Festen gegenüber
offen. So wirklich wissen was man da feiert tun sie glaube ich aber nicht.
1. Weihnachtsfeiertag
Am ersten Weihnachtsfeiertag
wollten wir uns einfach mal einen entspannten Tag machen. Nachdem wir dann in
unser ursprüngliches Hostel (oder Pension oder was auch immer es nun sein soll)
umgezogen waren, schlenderten wir den Strand entlang. Wir waren jedoch etwas
enttäuscht, dass wir nicht nach Phönix Island (von Verena auch liebevoll Saudi
Arabien genannt) konnten. Auf diese Insel dürfen anscheinend nur VIPs zu den
großen, bunt im Wechsel verschieden beleuchteten Türmen. Dafür gab es
dann aber wieder eine ausgiebige Fotosession mit Chinesinnen. Wir finden es ja
auch echt ok wenn wir nett gefragt werden, ob man zusammen ein Foto machen
kann. Was allerdings nervt ist das "heimliche" fotografieren. Was
wollen sie bloß mit Fotos von uns wo wir essen oder irgendwo hergehen? Und auch
trotz netten Fragens reichen dann auch 2-3 Bilder und nicht gleich 10. Nach der
Fotosession legten wir uns dann an den Strand, denn die Sonne war mittlerweile
rausgekommen und es war wirklich warm. Da wurden wir natürlich wieder komisch
angeguckt, dabei hatten wir nicht mal einen Bikini an. Aber die Chinesen
verhüllen sich ja eher um nicht braun zu werden und da ist es klar, dass sie es
komisch finden, wenn wir uns extra mitten in die Sonne legen. Mit dem
Wellenrauschen im Ohr schlummerten wir ein…
Auf einmal wurden wir unsanft
von Wassertropfen geweckt. In kurzzeitiger Verwirrung dachte ich es fängt an zu
regnen und war dann schon bereit einen Chinesen auszuschimpfen. Aber nein, der
Übeltäter war ein bekanntes Gesicht aus Peking. Lukas und seine Freundin haben
nämlich, genauso wie Frauke und Freund, auch Weihnachten auf Hainan in Sanya
verbracht. Allerdings wohnten sie etwas von uns entfernt. Aber beim
Strandspaziergang fielen wir als (Zitat Lukas) "einzige Menschen die
normal am Strand chillen" natürlich auf. Also saßen wir noch gemütlich
dort und tauschten uns über die Reisen und den neusten Gossip aus Peking aus.
Die beiden gingen noch etwas ins Meer und wir stießen mit leider warmen Bier
auf Weihnachten an. Als eine Micki Maus (ein Mann im Kostüm wie sonst in
Freizeitparks) des Weges kam wurde die Szene dann auch noch fotografisch
festgehalten
.
Abends bummelten Verena und ich noch durch Sanya, kauften Obst (von dem wir teilweise nicht wirklich wussten, was es sein soll), tranken aus einer Kokosnuss und aßen Spieße bei einem Straßenstand. Leider vergaßen wir dazu zu sagen, dass wir sie "bu la", also nicht scharf wollen. Das ist in Peking aber auch sonst nicht nötig. Es war zwar lecker, aber mir brannte danach doch etwas der Mund ;)
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Abends bummelten Verena und ich noch durch Sanya, kauften Obst (von dem wir teilweise nicht wirklich wussten, was es sein soll), tranken aus einer Kokosnuss und aßen Spieße bei einem Straßenstand. Leider vergaßen wir dazu zu sagen, dass wir sie "bu la", also nicht scharf wollen. Das ist in Peking aber auch sonst nicht nötig. Es war zwar lecker, aber mir brannte danach doch etwas der Mund ;)
2. Weihnachtsfeiertag
Am zweiten Weihnachtsfeiertag
ging es früh los zum Bus, denn wir fuhren mit Frauke und ihrem Freund Chris zum
Sieben-Feen Berg, um diesen zu erklimmen. Die aufmerksamen Leser unter euch
werden jetzt denken "Warum denn schon wieder ein Berg? Wollten die beiden
Mädels (also Frauke und ich nach unserem Hua Shan Erlebnis und dem Duftberg)
doch nie wieder machen". Naja... war irgendwie mal wieder Zeit für eine
Herausforderung. War es auch, besonders das letzte steile Stück, was wir
ungesichert und nur an Ketten festhaltend bewältigten. Aber nicht nur die
Aussicht vom Gipfel, sondern der gesamte Weg durch den Dschungel war schön, mit
Wasserfällen, Lianen usw. inklusive. Nass geschwitzt im T-Shirt und kurzer Hose
versuchte ich mich mental schon mal darauf vorzubereiten, dass mich am nächsten
Abend in Peking wieder Minustemperaturen erwarten würden.
Zurück in Sanya nahmen Verena und ich vom Busbahnhof aus kein normales Taxi (denn die Straße an unserem Hostel war eine Einbandstraße), sondern wir fuhren hinten auf einem Motorrad-Taxi mit. Denn das fährt dann einfach im Gegenverkehr. Der junge Taxifahrer war äußerst nett und lobte unser chinesisch als „feichang hao“ (sehr, sehr gut). Nach der angenehmsten Dusche seit langen gingen wir noch gemeinsam bei dem "Stammitaliener" von Frauke und Chris essen. Mit brennender „Merry Christmas“ Kerze von meiner Schwester genossen wir die echte Steinofenpizza. Also kamen Verena und ich letzendlich doch noch zu unserem schönen Weihnachtsdinner. Nach diesem verabschiedeten wir uns mit einem „bis nächstes Jahr in Peking“ von Frauke und Chris und fuhren zurück ins Hostel.
Abreisetag
Nun waren wir schon am letzten
Tag unserer Reise angelangt. Passend dazu hatten wir noch mal richtig schönes
Wetter. Verena und ich fuhren daher in die Dadonghai-Bucht, um uns ausgiebig zu
sonnen. Zwischendurch kühlte ich mich im Meer ab und die komischen Blicke der
zum größten Teil verhüllten Chinesen waren mir dabei vollkommen egal. Ich
genoss einfach nur die Sonne, den Strand und das Meer. J Mittags mussten wir dann
leider schon los unser Gepäck holen und weiter zum Bahnhof. Mit viel Glück
ergatterten wir noch Tickets im nächsten High-Spee-Train nach Haikou. Das waren
eigentlich nur Stehplätze, aber da noch Sitze frei waren, nahmen wir diese
einfach ein und es beschwerte sich auch niemand. Angekommen am Flughafen in
Haikou wechselte ich dann quasi von meinen Flip Flops in die Winterjacke, denn
dort war es schon deutlich kühler. Von Haikou aus flogen wir schließlich zurück
„nach Hause“. In Beijing war bzw. ist es relativ kalt. Aber wir
wollen die restliche Zeit trotzdem noch sinnvoll nutzen und unsere „last things
to do in Beijing“-Liste abarbeiten. Ich bin gespannt was wir davon noch
schaffen und werde natürlich berichten ;)
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